Abschied von Julia und Mathias Leml

Zum Abschied unseres Hausmeisterehepaares Julia und Mathias Leml, ein Gastbeitrag von Walter Schwemlein, der Mann an der Theke.

Der Mann an der Theke - Walter Schwemlein

Liebe Julia,
liebere Mathias,

mit eurem Abschied aus dem Gemeindehaus geht eine Ära zu Ende. Eine Ära, die auch für mich Weg bestimmend war.

War es doch immer mein Traum gewesen zusammen mit meiner Schwiegermutter einen Kiosk zu betreiben oder hinter dem Tresen zu stehen. Der Traum vom Kiosk ging nicht in Erfüllung. Aber das Tresenstehen (und zwar hinter dem Tresen),  das habt ihr mir ermöglicht.

Gerne erinnere ich mich an den Tag, als du liebe Julia mich fragtest, ob ich nicht bei unserem „Bazza“ im Ausschank mithelfen möchte. Das ist zwar schon gefühlte Jahrzehnte her, aber ich habe damals zugesagt und konnte erfahren, dass mir das riesigen Spaß macht, dass ich mein Geld mit dieser Tätigkeit aber nie verdienen möchte.

Und so entstand die Tradition, dass ich Samstags im Foyer des Gemeindehauses meine Theke aufbaute, Sonntags ab 10:00 Uhr zum Ausschank bereit war, denn in den ersten Jahren kamen die Gäste voller Ungeduld schon vor Beginn des Gottesdienstes, Montags Urlaub nahm und ab 16:00 Uhr die Geräuschkulisse der Kindergartenkinder genoss und Dienstags mit der Welt fertig war.

In diesen Bazza-Zeiten saßen die Helfer nämlich noch lange zusammen. Selbst dann noch, als die letzten Gäste schon lange gegangen waren, egal wie spät das war. Und Montags war es immer spät, sehr spät sogar. Dann haben wir immer noch den Tag besprochen. Haben darüber diskutiert was gut, weniger gut oder gar nicht gut gelaufen war und dabei so manches Fläschchen Sekt nieder gemacht.

Ich habe es immer sehr bewundert, mit welchem Einsatz und mit welcher Freude ihr euch für dieses Fest engagiert habt. Ihr habt es doch auch geschafft, dass die meisten Flüchtlinge in Sandhofen, dabei habe ich besonders meine Eltern und deren Freunde im Blick, zweimal im Jahr ausgegangen sind, und zwar am Bazza-Sonntag und am Bazza-Montag. Sonntags waren sie immer bei den ersten, die gleich nach der Kirche schon das Mittagessen bestellt haben. Ja und wie groß war eure Anstrengung immer zu erklären, dass es nach dem Mittagessen (so ca. ab 12:10 Uhr) noch keinen Kuchen und auch keinen Kaffee gibt, sondern erst später, wenn so ziemlich die meisten Gäste ihr Mittagessen beendet hatten.
Montags waren die Ersten ab 16:30 Uhr da und lauerten darauf, den Platz der Kindergartenkinder einnehmen zu können. Leider sind von dieser Klientel nicht mehr viele vorhanden, was sich letztendlich auch in den Umsätzen niederschlägt.

Legendär waren Montags die russischen Eier. Die besten und weit über Sandhofens Grenzen bekannt. Und legendär war auch bis in die neueste Zeit die Temperatur des Rotweines und des Weinbrandes. Oh Gott, wer wird künftig daran denken, den Rotwein und den Asbach kalt zu legen? 😉

Und wie oft, lieber Max, haben wir die Getränkekisten hoch gewuchtet, wenn wieder einmal der Fahrstuhl ausgefallen war? Und wie oft, liebe Julia, kamst du und sagtest zu mir: „Walter, schenk mal war fürs Personal ein!“ Und wie gerne tat ich das. Und wie oft.

Nun möchte ich noch aus der Fülle der Erinnerungen kurz das „Altenwerk-Essen“ ansprechen. Es war stets eine Freude für uns, die wir damals zu den „Jungen“ zählten, wenn wir uns an die liebevoll gedeckten Tische setzen und das immer gute Essen genießen konnten, was sowohl für uns als auch für unsere Kinder immer ein besonderes sonntägliches Highlight war.

Ich möchte jetzt nicht das Sprichwort bemühen, dass selten etwas besseres nachkommt. Aber ihr habt schon Fußspuren hinterlassen.
Und eure Nachfolger brauchen recht große Füße, um diese Spuren auszufüllen. Nun seid ihr ja Gott sei Dank nicht weg vom Fenster und ich denke, man trifft sich immer mal wieder im Gemeindehaus. Ich wünsche Euch, dass ihr diese  Stunden an eurem „Tatort“ genießen könnt und nicht wehmütig in die Vergangenheit schaut.

Ich danke euch von ganzem Herzen für euer Engagement und euren Einsatz.

Euer
Walter

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